Eine aussprache organisieren

ziele

  • Jedem*r Pfadfinder*in die Möglichkeit geben, gehört zu werden und seine*ihre Empfindungen mit der Gruppe zu teilen.
  • Den Gemütszustand im Zusammenhang mit der Krise ausdrücken.
  • Die eigenen Bedürfnisse und die der anderen identifizieren um das Wohlbefinden eines*r Jeden im Laufe des Jahres sicherzustellen.

ALLGEMEINES

  • Teile deine Sektion in kleinere Gruppen (Rudel, Patrouillen, …) auf. So werden die Schüchterneren sich eher trauen sich auszudrücken.
  • Dieser Animationsvorschlag richtet sich an alle Altersstufen, es ist dir freigestellt die Etappen an eure Gegebenheiten anzupassen.

MEINE AUFGABE WÄHREND DER AKTIVITÄT?

  • Jedem*r Pfadfinder*in unter Berücksichtigung seines*ihres Temperaments den benötigten Raum geben. Jedem*r steht frei das auszudrücken, was er*sie möchte. Nicht mehr und nicht weniger.
  • Teilt jemand mit, das er*sie ein Problem hat, so ist eine Art ihm*ihr zu helfen das Aktive Zuhören. Es bringt nichts das Empfinden klein zu reden („Ist doch nicht so schlimm“, „Das wird schon wieder“). Eine Empfindung ist niemals falsch. Ermuntert ihn*sie das anzunehmen, was er*sie erlebt: „Ich verstehe, ich sehe was du meinst…“. Du kannst ihm*ihr auch offene Fragen stellen und ihm*ihr die Option lassen sie nicht zu beantworten, falls er*sie das nicht möchte: „Hast du eine Lösung? Wie wäre es, wenn du das versuchen würdest? Denkst du, das würde helfen?“.
ERSTE ETAPPE: DEN RAHMEN FESTLEGEN 

Erkläre den Pfadfindern*innen, dass, wenn jedes Pfadfinderjahr ein besonderes ist, das aktuelle Jahr aus vielen unterschiedlichen Gründen ein noch außergewöhnlicheres werden wird. Viele Sektionen konnten oder können sich lange Zeit nicht versammeln, andere haben ein sehr ungewöhnliches Lager erlebt. Jede*r lebt und erlebt diese Periode seines*ihres Lebens auf seine*ihre Weise. Die Hygienemaßnahmen sind unter allen Umständen einzuhalten. Zu Beginn des Jahres ist es besonders wichtig, dass jede*r sich die Zeit nehmen kann, sich und die anderen neu zu entdecken und seine*ihre Empfindungen mitzuteilen damit jede*r sich wohl fühlt. Erkläre anschließend diese, während der Animation einzuhaltenden, goldenen Regeln:

  • Respekt: man macht sich nicht über andere lustig, man respektiert die Sichtweise eines*r Jeden.
  • Nicht urteilen: man urteilt nicht („das hättest du so machen sollen…), man drückt sich im eigenen Namen aus (man spricht im „Ich“ und nicht im „Du“), man beschuldigt niemanden.
  • Vertraulichkeit: was während der Aussprache gesagt wird, bleibt in der Aussprache. 

Was, wenn die Regeln nicht eingehalten werden? 

  • Wiederhole deutlich die gebrochene Regel.
  • Toleriere niemals mangelnden Respekt und interveniere umgehend.
  • Bricht ein*e Pfadfinder*in wiederholt die Regeln, nimm ihn*sie eher nach der Aussprache zur Seite als währenddessen. 
ZWEITE ETAPPE: DIE GEFÜHLE ERGRÜNDEN 

Die Pfadfinder*innen machen es sich gemütlich, legen sich ins Gras, auf einen Teppich oder mit einem Kissen auf den Boden und schließen die Augen. 

Sprich mit einer ruhigen Stimme: 

“Stell dir vor, du schwebst in einer Seifenblase. Alles außerhalb dieser Blase spielt keine Rolle mehr. In diesem Raum ist dein ist dein Körper leicht und völlig entspannt. Du bist vollständig bewegungslos. Nur deine Atmung bewegt deinen Körper. Nimm dir Zeit, dich selbst zu beobachten. Spüre wie die Atemluft rein und wieder rausgeht. Welche Teile deines Körpers bewegen sich? Wie fühlt sich deine Atmung an? Ist sie ruhig, heftig, friedlich, regelmäßig, …? Du kannst deine Hände auf deinen Bauch legen um zu fühlen wie er sich hebt und senkt.“

Nach einigen Augenblicken der absoluten Stille, die Augen bleiben geschlossen, schlage den Pfadfindern*innen vor, ihre aktuellen Empfindungen auszudrücken. Dazu liest der*die Leiter*in laut eine Reihe verschiedener Emotionen vor. Der*die Pfadfinder*in merkt sich die eine oder andere, die ihn*sie besonders anspricht oder stellt einfach nur fest, was diese bei ihm*ihr evtl. auslösen. 

Tipp: Biete eine Visualisierung der verschiedenen Emotionen an. Sei es durch Plakate oder auf durch den Raum verteilten Blättern. Für die Jüngeren kannst du auch Emojis aufmalen oder ausdrucken.

DRITTE ETAPPE: RÜCKBLICK AUF DAS ERLEBTE DER LETZTEN MONATE

Stelle Schreib- oder Zeichenmaterial zur Verfügung und erkläre den Pfadfindern*innen, sie sollen über das, seit Beginn der Krise, Erlebte nachdenken. Jede*r schreibt oder malt was sie*er möchte. Niemand muss etwas aufschreiben. 

„Wie gestaltete sich dein Alltag während des Lockdowns? Glichen sich die einzelnen Tage? Was hat sich für dich verändert? Was hat dich geprägt? Wie sehen deine Tage seit dem Ende des Lockdowns aus? Hast du deine Freunde*innen wiedergesehen? Gehst du wieder zur Schule? Wie läuft der Schulalltag für dich ab? …“

Was empfinden sie, wenn sie an diese Momente denken? Sind die Gefühle eher positiv oder negativ? Vielleicht gemischt? Haben sie sich an Vertrauenspersonen gewandt? Möchten sie sich gerne an jemanden wenden?

Hier findest du eine Reihe von Fragen, die du stellen kannst um die Reflexion anzuregen. Nicht alle sind für alle Altersstufen geeignet. Am besten du entscheidest selber.

  • Denke an etwas, das du über dich gelernt hast.
  • Denke an etwas, das du über andere gelernt hast.
  • Was ist an dieser ungewöhnlichen Zeit positiv?
  • Was war ein schlechtes Erlebnis?
  • Denke an etwas, das dir gefehlt hat.
  • Denke an etwas, das dir nicht gefehlt hat.
  • Was hat dich am stärksten geprägt?
  • Denke an etwas, auf das du stolz bist.
  • Denke an etwas, das dich enttäuscht hat.
  • Welches Wort drückt deine Beziehung zu anderen seit der Krise am besten aus?
  • Hast du während der Krise neue Dinge gelernt? Welche?
  • Welche Lehre nimmst du aus dieser Zeit mit? Was behältst du?
  • Welche*r Superheld*in wärst du gerne, um diese Krise zu überwinden? 
  • Welches Wort drückt deine Vision der Zukunft am besten aus?
  • Was wäre deine Nachricht der Hoffnung für die Zukunft? 
VIERTE ETAPPE: EIN MOMENT DES TEILENS 

Erlaube anschließend jedem*r, sich frei auszudrücken, ohne dass die anderen darauf reagieren oder Kommentare abgeben. Dies soll ein Augenblick des Zuhörens sein. 

Was man ausdrücken kann: 

  • Wie sie die Aktivität erlebt haben. 
  • Die Emotionen, die sie bei sich entdeckt haben. 
  • Ihre Gedanken zur Krisensituation. 
FÜNFTE ETAPPE: UNSERE BEDÜRFNISSE FÜR DAS JAHR 

Erkläre dass, angenehme sowie auch unangenehme, Emotionen stets mit einem Bedürfnis verbunden sind. Werden unsere Bedürfnisse befriedigt, sind wir glücklich, entspannt und gut gelaunt. Ein unbefriedigtes Bedürfnis verursacht hingegen ein unangenehmes Gefühl. Wenn, z.B., ein*e Pfadfinder*in Platz benötigt um sich wohl zu fühlen, würde er*sie sich unwohl fühlen, wenn er*sie zu Hause bleiben muss, ohne die Möglichkeit zu haben, Zeit an der frischen Luft zu verbringen. 

Lies die Liste der Bedürfnisse laut vor, und bitte die Pfadfinder*innen die drei auszuwählen, die sie zu Beginn dieses Jahres besonders ansprechen.  

Tipp: Biete eine Visualisierung der verschiedenen Bedürfnisse an. Sei es durch Plakate oder auf durch den Raum verteilten Blättern.

Jede*r Pfadfinder*in teilt diese Bedürfnisse mit dem Rest der Gruppe und nennt evtl. Beispiele in welchen Situationen diese Bedürfnisse befriedigt werden könnten. Sollte ein Bedürfnis nicht während einer Versammlung befriedigt werden können, kann die Sektion gemeinsam darüber nachdenken ob Anpassungen möglich sind. Manchmal gibt es aber keine Lösung. In diesem Fall sollte man sich einfach bewusstwerden, dass es bereits hilft sich einfach die Frage gestellt zu haben. Man stelle sich z.B. vor, ein*e Pfadfinder*in hat sein*ihr Bedürfnis nach Stille und Zeit für sich ausgedrückt. In diesem Fall könnte man vorschlagen, eine stille Ecke, etwas von der Gruppe entfernt, einzurichten. Dorthin können sich dann diejenigen zurückziehen, die das Bedürfnis danach verspüren.

Zögere nicht, diese Listen von Emotionen weiter über das Jahr verteilt zu nutzen, z.B: beim Rat auf dem Lager. 

Auch kannst du sie zur Konfliktlösung einsetzen. Schlage den Pfadfindern*innen vor, ihr unerfülltes Bedürfnis zu bestimmen, anstatt die Meinungsverschiedenheit lösen zu wollen. Dies kann eine Hilfe sein, eine festgefahrene Situation zu entschärfen. 

Oder: Am Ende einer Versammlung kannst du deinen Pfadfindern*innen vorschlagen, darüber nachzudenken, was der schönste Augenblick des Tages war und das dazugehörige Gefühl sowie das befriedigte Bedürfnis zu nennen. Führt ihr diese Aktivität regelmäßig durch, hilft dies allen den*die Andere*n besser kennenzulernen. Man versetzt sich automatisch in die andere Person, was für alle eine Bereicherung ist. 

Manche Inhalte dieser Aktivität, wurden durch Anleitungen inspiriert, welche von Latitude jeunes erstellt wurden. Wir danken ihnen, für ihre qualitativ hochwertige Arbeit.